Silberrücken – Senior Manager 50plus

Der Neustart als Senior Manager 50plus: Vier Erfolgsgeschichten

Vor einiger Zeit kündigte ich an, über die Erfolgsrezepte von Senior Managern (50+) nach vielen Jahren der Betriebszugehörigkeit (15+) zum erfolgreichen Neubeginn in einem Unternehmen zu schreiben. Dazu vier Geschichten, die den Neustart beschreiben.

„Vom Niederlassungsleiter zum Niederlassungsleiter“ – ein großer Schritt oder doch nur ein anderes Unternehmen?

Beide Antworten sind richtig, denn natürlich ist es ein großer Schritt nach über 20 Jahren im selben Unternehmen in einem neuen Unternehmen anzufangen. Was dabei hilft ist erstens der Erfahrungsschatz mit dem das gesamte Spektrum an Aufgaben abgedeckt werden kann: “Es gibt praktisch keine Situation vor der ich stehe und ich diese nicht schon mal durchlebt habe.“ Dies ist auch ein Vorteil für das neue Unternehmen, denn die Einarbeitungszeit ist kurz, da ein weitreichendes Verständnis von Zusammenhängen und Arbeitsweisen bereits vorhanden ist. Es mag auch ein Vorteil für das Unternehmen sein, dass ein „Senior“ mit seinem reichen Erfahrungsschatz etliche „Krisenszenarien“ schon durchgespielt hat und somit schneller die beste Entscheidung abwägen und treffen kann.

Auch unter dem neuen Aspekt der „Resilienz von Managern“ gibt es einen Vorteil, denn resiliente Menschen sind eher in der Lage berufliche Krisen konstruktiv zu bewältigen. Zweitens hilft bei einem Neustart natürlich auch auf die Aussage zu verzichten „so habe ich das in meinem früheren Unternehmen gemacht“ und sich in einer Diskussion über die beste Vorgehensweise offen zu präsentieren. Oftmals fragen die neuen Kollegen/Mitarbeiter sogar direkt nach den zurückliegenden Erfahrungen.

Und wie lautet der „goldene Tipp für die ersten hundert Tage eines „Silberrückens“ im neuen Unternehmen“? „Prozesse anschauen und versehen lernen. Unverzüglich mit den Mitarbeitern Gespräche führen und sich dafür Zeit nehmen. Erst mal mit `guten´ Ratschlägen zurückhalten“.

„2 Schritte zurück, Anlauf nehmen, nächste Hürde überspringen: Vom Generalisten zum Spezialisten und wieder nach vorne?“

In diesem Beispiel geht es nicht um einen Wechsel auf der selben Position, sondern um die bewußte Entscheidung erst mal auf Geld und Karriere zu verzichten: Vom Leiter einer Niederlassung zum Leiter Verkauf. Auch hier steht der enorme Erfahrungsschatz im Vordergrund, auf den man zurückgreifen kann, um sich schnell zurecht zu finden. Als Parallele wurde der Computer angeführt, der trotz optischer Veränderungen oder anderen Verbesserungen weiterhin intuitiv zu bedienen ist. Ähnlich wie die Zusammenhänge und Arbeitsweisen im neuen Unternehmen.

Als besonders hilfreich wurde die offene Art empfunden, mit der die neuen Kollegen auf den „Silberrücken“ zugegangen sind, um von den geronnen Erfahrungen zu profitieren: „Es ist unheimlich motivierend, wenn man oft gefragt wird (…) wie lief das bei euch? Könnten wir das hier auch machen?“ Dieser Austausch wurde durch das Unternehmen unterstützt. Dem „Neuen“ wurde ausreichend Zeit gegeben, sich vorzustellen und die Kollegen kennen zu lernen. Als Effekt wurde beschrieben, dass sich eventuelle „Bedenken bei den Jüngeren eher schnell in Hoffnung und zusätzlicher Motivation wandeln“.

Die  „goldenen Tipps” für die ersten hundert Tage im neuen Unternehmen“?

  1. Los lassen! Nicht das bisher Erlernte und Erlebte auf das Neue überstülpen.
  2. Zeit lassen! Bei Veränderungen der Umgebung und sich selbst Zeit lassen zu verstehen, sich anzupassen und umzustellen.
  3. Helfen lassen! Nicht so tun als ob man alles wüsste.

Dass diese Tipps nicht nur andere zum Erfolg führen, sondern auch zum eigenen zeigt die neueste Entwicklung. Im Sommer wird dieser Silberrücken zum Geschäftsführer bestellt! Herzlichen Glückwunsch!

„Die Wahl der richtigen Unternehmensbraut“: Zur Passung zwischen Mensch und Unternehmen

In diesem Beispiel geht es nicht nur um einen Neuanfang in einem anderen Unternehmen, sondern auch um die Entscheidung nach der Probezeit das Unternehmen wieder zu verlassen und sich einem anderen anzuschließen. Obwohl die Verhaltensweisen des Senior Managers zu Beginn der Tätigkeit in beiden Unternehmen ähnlich waren gibt es einen entscheidenden Punkt, der für „Gehen oder Bleiben“ entscheidend ist: Passe ich zur gelebten Kultur in dem Unternehmen?

Professor Denison von der IMD Lausanne hat ein Modell zur Messung und Darstellung der Unternehmenskultur entwickelt, das sich in interne (Mitwirkung, Kontinuität) und externe Faktoren (Anpassungsfähigkeit, Mission) gliedert.Denison

Die Entscheidung für ein neues Unternehmen beruht oftmals auf den externen Kriterien, denn diese können leichter beurteilt werden: Wie hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt, passt es sich dem Markt an, wie steht es um die Kundenzufriedenheit etc. Was aber nach Ansicht unseres dritten Silberrückens wirklich geholfen hat beim Neueinstieg war die Passung von den eigenen Wertvorstellungen mit der gelebten Unternehmenskultur.

So wurde der Senior Manager bereits vor Aufnahme seiner Tätigkeit zu einer Tagung eingeladen, um sich vorzustellen. Dieses Beispiel einer gelungenen Integration seitens des Unternehmens muss natürlich durch die eigenen Verhaltensweisen unterstützt werden. Was hilft dabei? Sich erst mal zurücknehmen, zuhören, Bestandsaufnahme der momentanen Herausforderungen mit maßvollem Input für die Lösungssuche.

Ebenso wichtig ist für unseren Silberrücken der bewusste Verzicht auf den vorherigen Status „Mein Haus, meine Villa, mein Pferd“ wohlwissend, dass man sich dies alles hart erarbeitet hat. Dennoch, „die Vergangenheit zählt nichts. Man beginnt wieder bei Null.“ Auch mit der Chance, sich ein „neues Image“ geben zu können – nach über 20 Jahren im selben Unternehmen eilt einem ein Ruf voraus gegen den schwer anzugehen ist.

Dieser Beginn bei Null ist aus Sicht des Unternehmens ein Vorteil. Ein erfahrener Manager wurde eingestellt, der keine Altlasten kennt, der sich nicht auf die Vergangenheit konzentriert, sondern auf die positive Gestaltung der Zukunft, der Themen beschleunigt und nicht zerredet.

Seine  „goldenen Tipps” für die ersten hundert Tage im neuen Unternehmen“?

  1. Geh aktiv auf andere zu, zeige wer du bist!
  2. Stelle deine Erfahrungen und Kompetenzen in den Vordergrund, pack die Titel und Ordenszeichen aus der Vergangenheit in die Kiste!
  3. Geh voran, aber takt-voll!
  4. Akzeptiere dein Handicap der Verantwortungsübernahme in der Probezeit bei weitreichenden Entscheidungen für andere!

Vom „Fix it“ zum „Do it yourself“

Im vierten Teil der Erfolgsrezepte von Senior Managern (50+), die nach vielen Jahren der Betriebszugehörigkeit (15+) den Reset Knopf drückten, gibt es im Vergleich zu den vorherigen Beiträgen gleich zwei Besonderheiten. Es handelt sich um einen weiblichen Silberrücken, deren Weg nicht in ein neues Unternehmen führte, sondern zur Gründung des eigenen und das in einer völlig neuen Branche.

Welche Erfahrungen haben beim Übergang aus der langjährigen Managementtätigkeit in die Selbständigkeit geholfen?
Auch wenn zu Beginn alles aus dem Boden gestampft werden musste haben doch die Kenntnisse von klaren Strukturen und Vorgehensweisen als Grundlage beim Aufbau des eigenen Unternehmens geholfen. Die „immer über den Tellerrand schauende Managementerfahrung und das gut aufgebaute Netzwerk aus den vorangegangenen Tätigkeiten“ war ein wichtiger Erfolgsfaktor. Dies zeigte sich insbesondere im Customer Relation Plan, der im Unternehmen umgesetzt werden sollte. Die daraus entstandenen Kontakte waren und sind sehr unterstützend und hilfreich. Hier habe ich tatsächlich eine absolute Dankbarkeit der intensiven Zielverfolgung vom Konzern.

Ebenso hilfreich waren die Weiterentwicklungsmaßnahmen, die im alten Unternehmen angeboten wurden und auch die aktive Begleitung von internen Change Prozessen. Gemäß des Mottos „Stillstand heißt Rückschritt“, investierte unsere Senior Managerin auch noch in ihre private Weiterbildung und absolvierte diverse Ausbildungen im Bereich Beratung/Coaching. Daneben gab es noch Praxiserfahrung durch die ehrenamtliche Tätigkeit als Jobpatin für Langzeitarbeitslose und als Mentorin im Projekt „Frauensache“ für weibliche Nachwuchsführungskräfte. Alles Erfahrungen und Kenntnisse, auf die sie beim Reset aufbauen konnte.

Was hat Ihnen geholfen, um diesen Schritt von einem festangestellten in einen selbständigen Modus zu bewältigen?
„Ich bin mein eigener Chef geworden“ Statt eines delegierenden „Fix it“ heißt es nun „Do it yourself“. Das bedeutet: „Ich habe mir selbst mit meiner Vorstellungs-, Willens- und Tatkraft zur Zielerreichung geholfen. Ich bin weiterhin in Netzwerken aktiv und knüpfe interessante Kontakte.
Außerdem habe ich eine Lizenz im Bereich Leadershiptraining/Coaching erworben. Dies hilft zu Beginn ungemein ein inhaltliches Gerüst zu haben und es entstehen durch die anderen Lizenznehmer interessante kollegiale und bereichernde Kontakte.

Auf was haben Sie bewusst beim Übergang in die Selbständigkeit verzichtet?
„Auf ein regelmäßiges Gehalt, das auch schöne Reisen ermöglicht. Auf eine definierte Struktur, die Leitplanken für die eigene Arbeit setzt. Auf einen Firmenwagen mit dem Rundum Sorglos Paket. Auf soziale Sicherheit und den regelmäßigen Austausch mit Kollegen/innen.”

Welche „goldenen Tipps“ haben Sie für andere, die den gleichen Weg gehen wollen?

  • Sich bewusst zu machen, bei Null anzufangen. In jeglicher Hinsicht!
  • Die Freude am Neugestalten leben. Offen sein für ein völlig neues Umfeld, eine neue Branche.
  • Sich umhören, zuhören, Bereitschaft zum Lernen, offen sein.
  • Loslassen vom alten Berufsalltag! Den gibt es nicht mehr. Es ist alles neu! Nur ich selbst nicht, also unbedingt authentisch sein und bleiben.
  • Nicht in alten Mustern verharren. Gerade nach so einer langen Zugehörigkeit ist es wichtig neue Wege zu gehen.
  • Wer in sein persönliches Wissen und in die eigene Weiterentwicklung investiert, wird davon profitieren. Wer sagt, dafür habe ich keine Zeit, der sollte sich hinterfragen, ob er auch wirklich etwas verändern will.